Promotionsprojekt

"Kirchlich organisierte Pflege- Fachkräftemigration aus Kerala nach Südwestdeutschland in den 1960er Jahren"


Unter Betreuung von Prof. Dr. Frank E. W. Zschaler arbeite ich derweil am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Katholischen Universität Eichstätt an einer Dissertation, welche der medial verzehrten Wahrnehmung von Migration ein unbekanntes Stück deutscher Migrationsgeschichte entgegensetzen soll. Mein Forschungsgegenstand ist im Pflegesektor zu verorten und blieb im Schatten der staatsgeleiteten "Gastarbeitermigration" weitgehend unbeachtet. So ist das Wort "Pflegenotstand" keineswegs ein neuer Terminus unserer Zeit. Bereits in der jungen Bundesrepublik Deutschland zu Beginn der 1960er, als die psychiatrischen Krankenhäuser durch Kriegsnachwirkungen sowie Wohlstandserscheinungen wie Alkoholismus an die Grenzen ihrer Kapazitäten stießen, hatte sich der Pflegeberuf zu einem prekärem Arbeitsfeld entwickelt. Angesichts des drastischen Personalmangels zogen es Krankenhäuser mitunter in Erwägung ganze Abteilungen zu schließen. 

Zum Klimax dieser angespannten Situation kam im Dezember 1964 eine Gruppe von 24 jungen Frauen aus Kerala/Indien an das Psychiatrische Landeskrankenhaus Emmendingen. Dort durchliefen sie eine allgemeine Ausbildung zur Krankenschwester. Es war die erste Gruppe indischer Frauen, die im Rahmen dieser Fachkräftemigration nach Deutschland kam, welche federführend durch die katholische Kirche organisiert wurde. Die Frauen wurden unter dem Namen „Nirmala Seva Dalam" und „Nirmala-Vereinigung" in Kleingruppen an verschiedenen Krankenhäusern in einem Gesamtzeitraum von 6 Jahren ausgebildet und eingesetzt. Gleichzeitig fand eine parallel organisierte Migration von Kandidatinnen an deutsche Ordenshäuser statt. Auch diese Frauen wurden in der Bundesrepublik in Pflegeberufen ausgebildet und in vom Personalnotstand betroffenen Krankenhäusern eingesetzt.

Die ersten Vorarbeiten wie beispielsweise erste Interviewerhebungen vor Ort in Kerala leistete ich 2018. Im Jahr 2019 wurde ich offiziell durch den Promotionsausschuss der KU Eichstätt-Ingolstadt als Promovend angenommen. Ziel meiner Forschungsarbeit ist auch die Aufarbeitung der institutionellen Dimension dieser Migrationsbewegung, wobei der Aushandlungsprozess zwischen der katholischen Kirche und dem Staat im Fokus steht. Neben Interviews mit Zeitzeugen führe ich eine Dokumentenanalyse durch, um die strukturelle Organisation des Vorgangs anhand von Primärquellen rekonstruieren zu können.

Anfragen hinsichtlich Vortrags-, Interview- und Publikationsanfragen sowie wissenschaftlichen Kooperationen sehe ich mit Freude entgegen!